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"... er begann das Spiel mit den geisterhaftesten Tönen, die ich je gehört, bis sie in voller Harmonie zusammenflossen und mit wunderbarer sanfter Gewalt von einem Adagio ins andere gingen."(Gottfried Keller über Schnyder von Wartensee)

Der Artikel aus dem Lexikon
"Musik in Geschichte und Gegenwart"
Stichwort "Glasharmonika", (ohne Abbildungen)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages Bärenreiter
und des Autors Sascha Reckert.

III. Herstellung und Akustik der Glasharmonika

Traditionell werden die Schalen aus Kristallglas in Holzformen mundgeblasen. Der früher höhere Bleianteil (für die Herabsetzung des Schmelzpunktes, bessere Optik, etc.) wird heute durch andere Zusätze weitgehend ersetzt. Vergleiche zu erhaltenen Instrumenten in verschiedenen Museen haben gezeigt, daß der Klang des heute verwendeten Glases trotzdem dem der alten Harmonikas entspricht. Der Klang wird eher durch die Wandstärke und form des Glases beeinflußt. Durch dickere Wandstärken erhält man bei gleichem Durchmesser höhere Frequenzen als bei dünnen Wandungen. Dickwandige Schalen haben im Vergleich zu dünnwandigen mehr Nachhall, Klangkraft und Brillanz, doch sprechen sie gleichzeitig schwerer an und lassen sich nicht mehr engmensuriert montieren. Da man aus einer bestimmten Holzform durch verschiedene Wandstärken der hineingeblasenen Schalen Unterschiede von mehr als zwei Oktaven erhalten kann, muß oft vor dem Stimmen aus 30-100 Schalen pro Ton sorgfältig ausgewählt werden. Durch Schleifen am oberen offenen Rand wird der Ton höher, durch Schleifen am unteren Boden bzw. Halsansatz tiefer.

Zwischen dem Glas und der eisernen Spindel wurde ein Zapfen aus Kork exakt so in den Halsansatz eingepaßt, daß diejeweilige Schale fest auf der Achse sitzt und zentrisch rotiert. Zur Kennzeichnung der verschiedenen Töne hat Franklin die den weißen Klaviertasten entsprechenden Schalen in sieben Prismenfarben und die Zwischentöne weiß einfärben lassen. Später wurde durch Röllig und Schmittbaur die Kennzeichnung der den schwarzen Klaviertasten entsprechenden Schalen mit einem eingebrannten Goldrand üblich. Der Tonumfang wurde manchmal auf fünf Oktaven erweitert, doch der klanglich und spieltechnisch günstigste Bereich liegt zwischen f und f''', für schnelle Passagen eher c'-f'''.

Um die gewünschte Stimmung der Schalen im montierten Zustand zu erreichen, ist besonders die geplante Mensur zu berücksichtigen. In Die Frau ohne Schatten sind z.b. achtstimmige Akkorde zu spielen, welche die Erreichbarkeit einer Oktave mit einer Hand in der Mittellage bedingen. Der Abstand von Schalenrand zu Schalenrand beträgt dann nur noch 1,5-1,6 cm. Durch den äußerst geringen Raum zwischen den Schalen dämpfen sie sich gegenseitig ab, was die Nachhallzeit der montierten Schalen auf ein musikalisch sinnvolles Maß reduziert. Gleichzeitig vermindert sich die Frequenz jedes Tones im Vergleich zur Frequenz vor der Montage. Im Baß z.b. senkt sich die Frequenz der Schalen nach der Montage aller Töne bis zu einem Viertelton. Beim Schleifen/Stimmen muß man diesen Effekt berücksichtigen und meist die Harmonika nach vollständiger Montage noch einmal zur Feinstimmung zerlegen und die noch abweichenden Schalen nachschleifen. Dies wurde bei anfallenden Reparaturen der heutigen Museumsinstrumente wohl selten berücksichtigt, so daß die meisten alten Harmonikas heute eine unsaubere Stimmung aufweisen. Die Museumsinstrumente sollten gespielt werden, da Glas eine weit unter ihrem Schmelzpunkt erkaltete Flüssigkeit ist und sich die Schalen somit im Laufe der Zeit verformen bzw. das Glas im Lauf der Zeit der Schwerkraft folgend nach unten sackt und sich Wandstärke und Stimmung der Glasschalen auf diese Weise verändern.

Die oft kunstvoll geschnitzten Gehäuse sind reine Halterung der Achse und Dekoration, da sich durch etwaige Resonanzräume nur eine kaum wahrnehmbare Verstärkung bewirken läßt. Ebenso unmöglich ist es, wie oft fälschlich angenommen wurde und wird, die Glasschalen durch eine Art Wasserbecken rotieren zu lassen, da durch geringfügiges Eintauchen in Wasser die Frequenzen sich bei allen Tönen unregelmäßig verändern und die Schalen kaum noch ansprechen. Die Auskleidungen der Gehäuse von innen mit verschiedenen Metallen sind eher auf die Intentionen zurückzuführen, die wertvollen Hölzer dauerhaft vor den von Fingern und Gläsern beim Spiel herunterfallenden Tropfen zu schützen.

Erhaltene Instrumente finden sich in den großen Musikinstrumentensammlungen von Berlin, Eisenach, Halle, Zittau, Leipzig, Moritzburg, Hof, Bamberg, Nürnberg, München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Salzburg, Wien, Rom, Zürich, Basel, brüssel, Den Haag, London, Kopenhagen, Stockholm, New York, Boston, Princeton und Pittsburg.

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Martin Hilmer Tel: +49 (09567) 98 27 55
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